Bis 2031 wollen wir 42 Prozent unserer CO2-Emissionen reduzieren und bis 2045 komplett klimaneutral Papier und Karton aus Altpapier herstellen – im perfekten nachhaltigen Kreislauf für Verpackungsmaterial. Für dieses Vorhaben investieren wir einen dreistelligen Millionenbetrag. Doch wir finden – für dieses Ziel lohnt es, sich anzustrengen, obwohl es parallel große wirtschaftliche Herausforderungen in sich trägt.
Wir sind ein energieintensives Unternehmen, wie rund 1.700 andere Unternehmen in Deutschland. Das bedeutet, die Fabrik benötigt große Mengen Energie – vor allem, um das aus Altpapier mit Wasser hergestellte neue Papier mit Wärme in Form von Dampf zu trocknen und elektrische Antriebe und Pumpen zu betreiben.
Diese Energie kam bisher aus Erdgas. Seit den achtziger Jahren war Erdgas in unserem System der doppelten Kraft-Wärme-Kopplung der effizienteste und sauberste Weg, aus fossilen Energien den von uns benötigen Strom und vor allem unsere Prozesswärme herzustellen. Gleichzeitig haben wir jahrzehntelang darauf geachtet, durch neue Technik und Prozesse immer mehr Energie zu sparen.
Aber: Erdgas setzt beim Verbrennen CO2 frei. CO2 ist ein Treibhausgas, das den Klimawandel beschleunigt.
Um die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu verringern, haben die EU und Deutschland Gesetze erlassen, die den Ausstoß von CO2 begrenzen sollen. Das bedeutet, dass energieintensive Industriebetriebe aufgefordert sind, ihren CO2-Ausstoß zu verringern. Diese Verringerung wird als Dekarbonisierung bezeichnet.
Für uns als Unternehmen bedeutet das, Wege zu finden, die gleiche Menge an Produkten mit weniger CO2-Ausstoß herzustellen. Die Dekarbonisierung ist also nicht nur wichtig, um weiteren Schaden für Mensch und Umwelt durch den Klimawandel zu vermeiden, sondern auch, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.
Gleichzeitig steckt darin eine große Chance auch für energieintensive Unternehmen wie die PKV. Wir setzen schon seit 1950 auf Altpapier als Rohstoff. Recycling und Nachhaltigkeit sind seit jeher elementarer Teil unseres unternehmerischen Selbstverständnisses. Wenn wir jetzt durch die Dekarbonisierung wirtschaftlich CO2-freie Produkte aus Altpapier herstellen können, haben wir einen großen Schritt hin zum ökologisch perfekten Kreislauf für Verpackungen!
Wir haben uns vorgenommen, im Vergleich zu 2021 bis 2031 42 Prozent unserer CO2-Emissionen loszuwerden (Scope 1 und 2)* und bis 2045 netto-treibhausgasneutral zu werden wie im Bundesklimaschutzgesetz verankert – und damit insgesamt dem im Pariser Klimaabkommen von 2015 beschriebenen Pfad hin zu einer Beschränkung des Anstiegs der weltweiten Durchschnittstemperatur auf möglichst 1,5 Grad Celsius zu folgen. Unseren Pfad wollen wir uns auch von der weltweit anerkannten Science Based Targets Initiative (SBTi) bestätigen lassen.
In der Praxis werden wir auf einen Mix aus verschiedenen Energieträgern setzen. Das hat Gründe. Unsere Anlagen laufen 24 Stunden am Tag und brauchen nicht nur eine große Menge, sondern auch eine sehr gleichmäßige Menge an Energie.
Nur Sonnen- oder Windstrom aus eigenen Anlagen bringt uns also nicht weiter, weil wir nicht jede Nacht oder bei Windflaute die Anlagen abstellen können. Außerdem würde ein Solarpark oder Windpark in entsprechender Größe Flächen verschlingen, die größer als ganz Varel sind. Er wäre für uns auch nicht finanzierbar. Das geht also nicht, zumindest nicht ausschließlich.
Dennoch wird grüner Strom (aus dem Stromnetz) einen großen Teil unserer Lösung ausmachen. Dafür brauchen wir einen neuen, viel größeren Stromanschluss – und neue Anlagen, die auf unserem Werksgelände mit der Strom-Energie die dringend benötigte Prozesswärme herstellen. Hierzu gibt es weitere Informationen in unserem FAQ. Das bisher als Energieträger verwendete Erdgas wollen wir zum Großteil durch grünen Strom ersetzen.
Außerdem wollen wir den spezifischen Energieverbrauch pro Tonne substanziell senken – also Energie sparen. Dafür planen wir in den kommenden Jahren eine Folge von größeren und kleineren Maßnahmen. Oft haben wir diese Themen in der Vergangenheit schon in technischen Vorprojekten beleuchtet – mittlerweile tragen sie sich bei insgesamt deutlich erhöhten Energiekosten auch wirtschaftlich. Dabei wird unter anderem die noch stärkere Nutzung von Strom und Wärme aus Biogas aus eigener Herstellung in unserer Prozesswasseraufbereitung (in einem vergrößertem Blockheizkraftwerk) eine Rolle spielen.
Ein weiterer Schritt, der in ersten Konzeptstudien geprüft wurde, ist der Einsatz von industriellen Großwärmepumpen und verstärkter Nutzung von Abwärme aus dem Trocknungsprozess unserer Produkte, um den absoluten Energieverbrauch zu senken. Es gibt hier allerdings bis heute keine Referenzprojekte in der Papierindustrie, was weitere tiefe Analysen in den kommenden Jahren benötigt um einen Einsatz im großen Stil zu entscheiden.
Außerdem wollen wir Energie aus Abfall nutzen, den wir ohnehin auf dem Werksgelände haben. Über das Altpapier landet nämlich vieles bei uns, was eigentlich nicht in die blaue Tonne gehört. Auch heute schon sortieren wir diesen Abfall sorgsam aus, bereiten ihn zu einem Brennstoff auf (in Form von Pellets) und er wird dann anderswo zur Energieerzeugung verbrannt, zum Beispiel in Zement- oder Heizkraftwerken. Diese Energie wollen wir in Zukunft selbst in einem neuen EBS-Kraftwerk (EBS = Ersatzbrennstoffe) auf unserem Gelände nutzen. Denn ca. 35 Prozent dieses Abfalls besteht aus Biomasse. Diese Biomasse wird als erneuerbare Energie eingestuft, weil sie nur so viel CO2 freisetzt, wie sie durch ihr Wachstum in der Natur aufgenommen hat. Auch zu diesem Thema finden Sie unten noch ausführliche Informationen. Ob in einem abschließenden Schritt dann diese restlichen CO2-Emissionen aufgefangen und möglicherweise verwertet werden, ist heute noch nicht abzusehen, könnte aber ein guter Weg sein, wenn sich bis dahin die Technik entwickelt und durchgesetzt hat.
Wenn diese Pläne umgesetzt sind, wird es uns gelingen, aus einem recycelten Rohstoff (Altpapier) in einem perfekten ökologischen Kreislauf ohne zusätzliche CO2-Emissionen neues Verpackungsmaterial herzustellen.
*Scope 1: Direkte Emissionen | Scope 2: indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie
Hinweis: Auf dieser Seite verwenden wir im Interesse der Lesbarkeit und im Sinne des allgemeinen Verständnisses die Begriffe „CO2-Emissionen“ und „Klimaneutralität“. Gemeint sind damit jeweils sämtliche THG-Emissionen und das Konzept der Netto-Treibhausgasneutralität im Kontext der deutschen Klimaziele.
Allgemeine Fragen zum Thema Energienutzung
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